HiFi

Warum klingen aktuelle Musik Alben meistens lauter als ältere Aufnahmen?

Lautere Musik klingt eindrucksvoller, spektakulärer, kraftvoller, kurzum: besser. Aber wie bekommt man “immer lautere Musik” überhaupt hin? Ein Mikrofon misst den Schalldruck. Dies ist eine technische Größe die in Dezibel (dB) angegeben wird. Je höher der Schalldruck, desto stärker wird die Luft bewegt und entsprechend auch das Trommelfell des Hörers. Ein hoher Schalldruck bedeutet deshalb auch hohe Lautstärke. Dieser Schalldruck wird bei Musikaufnahmen aufgezeichnet. Dabei ist die maximale Lautstärke, die aufgezeichnet werden kann, letztlich für alle Toningenieure gleich. Sie wird bestimmt durch die Aufnahmegeräte und vor allem der Art und Weise, wie das Signal auf dem Zielmedium, z.B. einer CD, gespeichert wird. Dass Lautstärke nicht gleich Lautstärke ist, ist bei uns Menschen schon daran zu erkennen, dass wir bei Zimmerlautstärke sehr viel empfindlicher bei mittleren Frequenzen sind und im Vergleich deutlich lauter wahrnehmen als tiefe und hohe Frequenzen. Erst bei höheren Lautstärkepegeln nimmt dieser Effekt ab. Deshalb die früher oft anzutreffenden “Loudness” Regler an Verstärkern. Diese haben dafür gesorgt, dass bei niedriger Lautstärke die tiefen und die hohen Frequenzen stärker verstärkt wurden als die mittleren Frequenzen um so der ungleichen Wahrnehmung entgegenzuwirken. Ein weiterer Effekt beim menschlichen Gehör ist, dass wir Musik als lauter wahrnehmen, wenn die Dynamik, also der Unterschied zwischen der durchschnittlichen und der maximalen Lautstärke, gering ist. Diesen psychoakustischen Effekt nennt man Lautheit. Es ist diese Lautheit, die bei aktuellen Produktionen durch eine Reduzierung der Dynamik erhöht wird. Die gesteigerte Lautheit durch eine Verringerung der Dynamik wird gerade in lauten Umgebungen oder bei schlechteren Abspielgeräten als positiv wahrgenommen. Musikhören im Auto oder Abspielen von Musik mit einem Mobiltelefon sind aktuelle Beispiele dafür. Solche Aufnahmen klingen allerdings auf einem HiFi System abgespielt oft fade und leblos, da eben die Dynamik fehlt.  Zum Vergleich: Auf einer Audio CD ist eine Dynamik von 90 dB speicherbar. Bei aktuellen Alben werden davon aber oft nur noch 4 dB genutzt. Anfang der 80’er Jahre waren es immerhin noch häufig 10 dB. Wenn die Dynamik reduziert wird spricht man von Kompression. Dies meint ganz und gar nicht die Kompression der Datenmenge wie es in einem digitalen Musikformat, wie z.B. MP3 oder Apples AAC der Fall ist, wird aber leider oft damit verwechselt. Beim verlustbehafteten Speichern ist zu viel Kompression auch schlecht für den Klang, aber wenn die Dynamik bereits bei der Aufnahme stark komprimiert wird, klingen nicht nur verlustbehaftete Musikformate schlecht, sondern auch analoge Versionen. Deshalb kann dann auch eine digitale “HiRes” (“High Resolution”) Variante mit 192 kHz/24 Bit daran nichts mehr ändern.

Der Wunsch nach immer höheren wahrgenommenen Lautstärken hat zu einem regelrechten Wettstreit zwischen Plattenfirmen geführt und wird oft als der “Loudness War” bezeichnet. Zum Glück bieten viele digitale Musikplayer mittlerweile an, alle Songs mit möglichst gleicher Lautstärke abzuspielen. Dies erhöht natürlich leider nicht die Qualität, aber zum einem muss man nicht ständig den Lautstärkeregler bedienen und zum anderen macht deshalb der Wunsch nach größerer Lautstärke keinen Sinn mehr und vielleicht konzentrieren sich dann die Plattenlabels wieder darauf das wirklich wichtigstes Glied in der Aufnahmekette zu verbessern und das ist nun mal die Aufnahme selbst!

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