Anekdote

„Tatort Technik“: Neulich auf dem Ponyhof

Feierabend! Und zwar mit Ansage genau um 17:15Uhr. Warum? Es ist Mittwoch und da muss ich meine Älteste vom Reiten abholen. Das liebe ich. Sie reitet nämlich nicht bei einem elitären Wichtigtuer-Club, wo vorne die Yuppies oder Ex-Alt-Hippies – nun z.B. erfolgreicher Architekt, Drogenkonsum alla Joint mittlerweile verteufelnd und stolz auf seine Yacht – mit ihren fetten SUVs vorfahren und die Fracht zukünftiger Hochnasen, nun noch Rotzlöffel, schnell für 5 Minuten im absoluten Park- und Halteverbot nur mal rauslassen. Nein, auf diesem Ponyhof ist das nicht so. Die meisten kommen mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln, reiten die Pferde nicht nur mehr oder minder gelungen, sondern helfen auch beim Ausmisten, Füttern und so ganz nebenbei auch beim Reparieren von Zäunen oder Paddocks. In diese Idylle komme ich dann also mittwochs und genieße die Ruhe und den Duft der Natur. Letzteres für mich übrigens eine enorme Herausforderung, denn Heuschnupfen ist eine Gabe, die mir die Natur schon ins Kinderbett gelegt hat. Aber ich ignoriere sie so gut ich kann. Mitleid nehme ich natürlich schon mal entgegen. Danke an dieser Stelle auch an Zewa: Die einzigen „Taschentücher“, die halten. Nicht nur was sie versprechen, sondern auch das was mit hoher Geschwindigkeit aus meiner Nase kommt. Mehr sage ich hier lieber nicht, sonst muss meine Frau würgen. Zurück zum Ponyhof, der Idylle und dem Gefühl der Sicherheit. Sicherheit bzgl. Fragen zu Forschung und Technik, Computern und … „Hallo Wolfgang! Sag’ mal, deine Tochter hat erzählt, dass du dich mit Computern auskennst“. Aaarrrggghhhh. Voll erwischt. Linker Fuß ist schon weg und mein Lügen vermeidendes Gestammel zerstreut auch den letzten Zweifel, ob ich der richtige bin. „Sehr gut! Wir kommen nicht mehr ins Internet. Also ich schon. Oben tut’s noch. Unten nicht.“. Aha. Klar. Kein Problem. Taktik classico romana: „Was ist denn zwischen oben und unten? Ein WLAN oder ein kabelgebundenes LAN?“. So sehen „Bahnhofsgesichter“ aus. Leichtes Spiel für mich bzgl. Spaß: Hier sind echt arme Amateure am Start. Schwindelig spielen wird leicht. Mach’ ich aber heute nicht. Jedenfalls nicht ständig. Ich bin ja nett und außerdem die Leute vom Ponyhof auch. Da helfe ich gern. Eigentlich müssten die super mit Computern klar kommen: Wenn ich mir die störrigen eigenwilligen Vierbeiner so ansehe.

„Habt ihr ein Kabel von oben nach unten gelegt?“. „Ach so, nein, wir haben so eins ohne Kabel. Mit Passwort. Alles sicher! Und das ging auch die ganze Zeit aber nun nicht mehr.“. Okay, wie die meisten Menschen haben auch diese hier ein WLAN. Einmal von irgendjemandem den sie kannten und der sich mit Computer auskennt aufgebaut und angeschlossen. Huch, es muss noch mehr Leute wie mich geben. Wahrscheinlich schreiben die gerade das gleich wie ich in ihr Blog. Weiter! Also WLAN ging mal. Nun kommt aber eine Passwortabfrage beim Versuch sich ins verschlüsselte WLAN einzuloggen. „Und, kennt ihr das Passwort noch?“. Kein Scherz. Meistens wird ein WLAN von jemandem eingerichtet, der Ahnung hat und der dann zur Sicherheit das Passwort des Administrators auf dem Router ändert und auch das WLAN Passwort erneuert, damit es nicht mehr mit dem übereinstimmt, das auf dem Gerät außen angebracht und leicht abzulesen ist. Dann kommen die neuen Passwörter auf einen magischen Zettel. Dieser wird dann förmlich und mit einem besonderen Akt überreicht um die Wichtigkeit zu unterstreichen. „Hier stehen die Passwörter für den Administrator des Routers und des WLANs. Verliere den auf gar keinen Fall. Diese Passwörter brauch man, wenn man etwas an den Einstellungen ändern muss!“. Und was passiert dann mit diesem Zettel? Niemand weiß es, denn es wurde noch nie ein solcher Zettel wiedergefunden! Was die Sache leicht und schwer zugleich macht. „Leicht“, weil man einfach ohne nachzudenken alles neu konfigurieren kann – und leider muss – und „schwer“, weil es relativ viel Zeit kostet. Also entweder:

  • Zettel auffindbar aufbewahren (alter Trick aus dem frühen Mittelalter) oder
  • Einfach die Passwörter auf Werkeinstellung lassen. Ja ich weiß, das ist nicht ganz so sicher. Geschenkt!

Auf dem Ponyhof herrscht nun Unruhe und eine komische Stimmung aus extremer Unterwürfigkeit, die fast schon etwas Devotes hat, und billigster Prostitution: „Magst du uns nicht mal besuchen?“ *blinzel* „Wir backen dir auch einen tollen Kuchen!“. Schon haben mich die Damen am …, naja, ihr wisst schon wo. „Ganz ehrlich, unheimlich gerne, aber ihr seid so clever, ihr bekommt das bestimmt alleine hin“. Ein paar Fragen später ist es dann schließlich doch so weit: „Also, ich hab‘ da so ein Kästchen …”. K.O. in der siebten Runde. Kann man nichts machen. Oder doch? Ich bleibe hart und eiskalt und habe Erfolg! Das kleine Kästchen muss eindeutig ein Repeater sein. Also ein Gerät, das zur Erweiterung der Reichweite eines drahtlosen Netzwerkes eingesetzt wird. Es verstärkt letztlich das Signal nicht wirklich, aber wiederholt sozusagen einfach alles was es drahtlos auffängt. Daher auch der Name: „Repeater“. Dem Kerle muss man aber halt mitteilen, für welches drahtlose Netzwerk er der Repeater sein soll. Und dazu muss man ihn konfigurieren. Also so einstellen, wie man es gerne hätte. Nein, nicht was ihr denkt, sondern wie man den Repeater gerne hätte. Heutzutage ist praktisch jedes netzwerkfähige Gerät in Wirklichkeit selbst ein kleiner Computer, der sozusagen „Internetseiten“ erzeugen kann. Das Gerät hat also im lokalen Netzwerk auch einen Namen, wie alle anderen Geräte auch, und diesen Namen kann man im Internetbrowser seines Vertrauens in der Adresszeile eingeben. Eine kurze Frage nach dem Namen des Administratorkontos und dem zugehörigen Passwort muss man sich nun noch gefallen lassen und schon ist mein drin und kann das Gerät so einrichten, wie man es gerne hätte. Bei einem Repeater also im Allgemeinen lediglich, wie das drahtlose Netzwerk heißt, das man „repeaten“ möchte. Fertig.

Harter Tobak wie ich merke. Wobei, einiges kommt an. Und Verwunderung gemischt mit Hoffnung macht sich breit: „Das kleine Ding ist selbst ein Computer? Und ich kann mit dem Ding sprechen? Vom firefox aus?“. „Yep. Easy, oder?“. „Welchen Namen hat denn das Ding?“. Ok, anschnallen, Crashkurs DHCP about to start in a second: „Also euer Router, der andere Kasten mit den Antennen, der oben steht, der ist echt clever und nett. Der hat selbst einen Namen und gibt allen anderen Geräten in eurem Netzwerk einen Namen, wenn er danach gefragt wird.“. Blanke Sprachlosigkeit. „Die Geräte fragen den Router? Kennen die sich? Was für Namen gibt der Router denn typischerweise den anderen Geräten? Wilhelm, Tim, Carla?“. Ein kurzer Ausflug zum Thema IP Adressen und die Mädels haben’s gefressen. Ich bin stolz auf sie. Und mich! „Das ist ja einfach!“. Sag‘ ich doch.

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