Anekdote

„Tatort Technik“: Darf ich das installieren?

Neulich am Telefon: „Hallo Wolfgang. Wie geht´s? Ich bekomme da so eine Meldung bei dem E, ob ich was installieren soll. Soll ich das mal drücken?“. „Oje“ denke ich, „Langsam! Halt!“ sage ich. „Wo bist du genau? Und was bitte ist das E?“. „Also ich war da so im Internet und da kam das.“. „Was?“. „Na die Meldung. Ich habe es dir doch gerade ganz genau erklärt.“. „Nee, genau erklärt war das nicht. Also der Reihe nach. Du warst mit dem Browser am Surfen im Internet, richtig?“. „Was für ein Ding? Also du hast mir doch da so ein E unten hingemacht und das habe ich benutzt.“. Ich kann ein Lachen gerade noch unterdrücken, ich hätte ihr unten so ein E hingemacht. Nee, so etwas würde ich nie machen. Ehrlich! Zumindest nicht einfach so! Aber okay, lassen wir das, sie hat also wohl den „Internet Explorer“ oder neuerdings „Edge“ Browser von Microsoft gestartet. Macht Sinn. „Auf welcher Seite hast du dich denn herumgetrieben als du am Surfen warst?“. „Nirgends. Ich habe nichts gemacht.“. Ist klar, erst etwas anstellen, dann Probleme haben, dann anrufen und dann leugnen. Die Stafette kenne ich schon. „Na, du musst doch auf irgendeine Webseite gegangen sein. Wozu hättest du sonst den Browser geöffnet.“. „Ach so, nein ich habe da nur das eine Fenster gedrückt.“ Oje, das Telefonat wird noch länger werden als befürchtet. „Du hast ein Fenster im Browser gedrückt. Respekt! Wie hast du das gemacht? Oder meinst du vielleicht, dass du eine deiner Favoriten oder zuletzt besuchten Webseiten, die auf einem leeren Browser-Tab angezeigt werden, ausgewählt hast? Die sind manchmal nämlich mit einem kleinen Rahmen umrandet und sehen deshalb wie kleine Fenster aus.“. „Ja, genau.“. „Okay, aber das bitte in Zukunft nicht mehr als Fenster bezeichnen, denn sonst denke ich gleich an echte Fenster des Betriebssystems, weist du?“. Nein, natürlich nicht. Ich sollte endgültig die Bekehrungs- und Lehrversuche unterlassen. Es bringt nichts. „Weiter!“, denke ich mir. „Und wo bist du dann im Browser gelandet, als du so ein Fenster gedrückt hast?“. Verdammt, das ist echt ansteckend. Jetzt habe ich diese Symbole im Browser auch schon Fenster genannt. „Ach, nur so eine Seite um eine Reise zu buchen, du weißt schon.“. „Und dann kam da eine Meldung?“. „Ja, aber nicht gleich. Die hatten da so ein gutes Angebot am Rand angezeigt. 4 Wochen mit der Queen Mary II inklusive Vollpension für 299 EUR.“. „Und das hast du geglaubt und gleich mal drauf geklickt?!“. „Hätte ich nicht sollen, gell?!“. „Genau. Das war eine offensichtliche Falle. Der Preis kann nie und nimmer stimmen. Und dann bist du vermutlich auf einer Seite gelandet, die noch weitere nicht ganz so seriöse Angebote hatte, oder?“. „Ja, genau, und da kam dann die Meldung, dass mein PC nicht sicher ist und ich unbedingt darauf klicken soll und ein Tool installieren muss. Aber ich habe es noch nicht gemacht. Ich dachte mir gleich, dass ich dich erst fragen sollte. Okay, dann vielen Dank und bis bald. Tschüss!“. Klick. Stille. „Tschüss Mutti“, denke ich mir. Warum hat sie mich eigentlich angerufen, wenn sie die Antwort schon kannte? Um mit mir zu plaudern, wohl auch nicht. Ich hab´ sie trotzdem sehr lieb´!

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