HiFi

Preiswerte Kompaktboxen im Test

Einführung und Übersicht

Meine Vorliebe für kleine knackige Kompaktboxen mit 2 Wegen ist kein Geheimnis: Unauffälliger als Standboxen und trotzdem mit echtem HiFi Sound, das ist der Kick für mich. Praktisch jeder professionelle Lautsprecherhersteller hat auch Kompaktboxen im Programm. Auch in ihnen wird hochwertige Technik eingesetzt wie sie auch in den Standboxen vorkommt: Gute Chassis, aufwendige Frequenzweichen und Gehäuse. Oft auch als Regalboxen bezeichnet, eignen sie sich dennoch auch für die freie Aufstellung auf einem Boxenständer und sind damit insgesamt viel flexibler aufstellbar. Trotzdem sollte man für echten HiFi Klang Zuhause natürlich die Aufstellungstipps beachten, denn sie gelten natürlich auch für „die Kleinen“. Typischerweise sind Schwachstellen von Kompaktboxen der nicht tief herab reichende Bass und eine geringere Pegelfestigkeit. Die von mir getesteten und hier vorgestellten Boxen sind gerade aber diesbezüglich sehr gut aufgestellt und für mich daher echte Alternativen. Meine Liebe zu Boxen des schwäbischen Herstellers Nubert beruht auf einem sagenhaften Preis-Leistungsverhältnis des Direktvermarkters: Für vergleichsweise wenig Geld bekommt man Boxen mit einem super linearen Frequenzgang, sehr guter Verarbeitung und durchdachter Technik. Es ist kein Zufall, dass man gerade bei der Firma Nubert Wert auf Transparenz legt und wichtige technische Informationen zu Boxenbau im Allgemeinen, Aufstellungstipps und Details einzelner konkreter Modelle kostenlos auf der Webseite herunterladen kann. Nubert weiß, was seine Boxen ausmacht, und scheut auch nicht einen Blick hinter die Kulissen zuzulassen, ganz gemäß dem Firmenslogan „Nubert, ehrliche Lautsprecher“. Aber keine Sorge, dies ist nicht das vorweggenommene Testergebnis: Alle hier vorgestellten Boxen sind echte Gewinner und einen klaren Favoriten für alle Belange gibt es selbst für mich nicht. Doch nun auf zum Testfeld:

  • Nubert nuBox 101
  • Nubert nuBox 311
  • Nubert nuJubilee 35
  • Nubert nuWave 35
  • Nubert nuJubilee 40
  • Nubert nuLine 24
  • KEF iQ 30
  • Wharfedale Diamond 10.1
  • Klipsch R-15M
  • Dali Zensor 1
  • Canton Vento 810

Getestet wurden diese Boxen an mehreren Verstärken: NAD D 3020, SMSL SA 98E, Sprout und Yamaha R-S 700. Die ersten drei Verstärker sind moderne class D Verstärker. Der Yamaha ist ein klassischer Verstärker mit class A/B Konzept. Zugespielt wurde von einem Sonos ZP 90 und eine Windows PC mittels Foobar2000. Der NAD D 3020 und der Sprout haben integrierte USB Schnittstellen und Digital-Analog-Wandler und wurden auch entsprechend angeschlossen. Der SMSL und der Yamaha bekamen direkt ein analoges Signal zugespielt.

Der „Nubert Boxen Park“

Mit der nuBox 101, nuBox 311 und der nuLine 24 befindet man sich im Umfeld der wirklich kleinen Kompaktboxen. Ein Laie kann sie aufgrund der geringen Ausmaße leicht für die abnehmbaren Boxen eines altmodischen Ghetto-Blasters halten. Sie sind insbesondere sehr schmal gehalten und von vorne wirken sie dadurch noch kleiner, als sie eigentlich sind. So bekommt man echtes Understatement mühelos hin! Da ist z.B. der Zwerg des Testfeldes, die 101, die trotz den zierlichen Dimensionen von 14 x 23 x 22 (Breite x Höhe x Tiefe jeweils in cm) mit 90 Watt belastbar ist. Sogar sie erlaubt damit verblüffende Lautstärken, die eine Wohnungsparty zu einem Kennenlernen des zuständigen Wachtmeisters ausarten lassen kann! Klanglich ist sie sehr vielseitig und auch ohne zusätzlichen Subwoofer macht sie viel Spaß. Gerade E-Gitarren lastiger Blues von Gary Moore klingt mit dem SMSL auf den 101 unglaublich authentisch. Die Ablösung des Klanges von den Boxen gelingt allen Boxen in diesem Testfeld sehr gut und die kleine 101 ist keine Ausnahme. Mittlerweile wird bei Nubert die nuBox 303 als Nachfolgerin der 101 angeboten. Da sie auch den Dipol DS-301 ersetzt, kommt sie auch mit einem zweiten Hochtöner auf der Rückseite daher. Dieser kann ebenso wie bei der nuLine 24 abgeschaltet werden. Dadurch wird das virtuelle Bühnenbild präziser, gleichzeitig aber der Klang auch etwas weniger luftig. Fest steht, auch die 303 macht noch genauso viel Spaß, allerdings konnte ich sie nicht so ausgiebig Probehören, um weitere Details hier benennen zu können. Die größere Schwester der 101, namens 311, schafft Partylautstärken natürlich noch müheloser und lässt mit einer unteren Grenzfrequenz von 63 Hz (+/- 3 dB Norm) auch Technoparties ohne zusätzlichen Subwoofer zu. Sie ist eine unglaublich vielseitige Box und in der „black front“ Ausführung, also einem schwarzen Pianolack für die Vorderseite, ohne das Schutzgitter ein Augenschmaus. Da der Nachfolger, nuBox 313, bereits in den Regalen steht, bekommt man sie oft in einem sehr guten gebrauchten Zustand bei eBay für unter 300 EUR das Paar. Sie ist für mich das perfekte Mittelmaß aus Preis und Leistung und mein Geheimtipp!

Nubert nuBox 311

Die nuLine 24, ein Dipol wie die am Rande erwähnte nuBox 303, hat eine Front, die fast ebenso zierlich ist wie die der 101. Lediglich der Unterschied in der Tiefe von 28 cm bei der nuLine, sorgt für eine deutlich höhere „Bass Potenz“ und schraubt das Limit auf sagenhafte 55 Hz hinunter. Dazu noch eine Belastbarkeit von 120 Watt und fertig ist ein unvorstellbarer Boxen Knüller: So geht Wolf im Schafspelz! Auch ihr verhilft der zweite Hochtöner auf der Rückseite zu Luftigkeit und macht sie darüber hinaus übrigens auch zu einer perfekten Surroundbox. Tatsächlich benutze ich sie aber für vorne Links und Rechts. Die Jubiläumsmodelle nuJubilee 35 und nuJubilee 40, sowie die nuWave 35, sind die Nubert Boxen mit etwas größeren Ausmaßen im Testfeld: Sie bestechen durch ein noch besseres Preis-Leistungsverhältnis, da sie im jeweiligen Firmenjubiläumsjahr für ca. 250 EUR pro Stück angeboten wurden, und ebenso niedrige Grenzfrequenzen wie die nuLine 24 (jeweils 53 Hz) besitzen. Das besondere an der nuJubilee 35 und der fast baugleichen nuWave 35: für diese Boxen gibt es ein elektronisches Zusatzmodul bei Nubert zu kaufen, ATM genannt, welches unter anderem dazu dient, die untere Grenzfrequenz noch weiter herabzusetzen. Damit gelingt ein Rekord: 41 Hz aus einer Kompaktbox mit 22 x 34 x 34 (Breite x Höhe x Tiefe jeweils in cm) ist Weltklasse. Die nuJubilee 35 und die nuWave 35 sind noch dazu mit bis zu 150 Watt belastbar. So kann man es krachen lassen. Alle drei Modelle sind mit die größten Boxen im Testfeld aber bieten dafür auch den voluminösesten Klang. Wer mit den Ausmaßen von ihnen kein Problem hat, sollte hier zuschlagen.

Nubert nuJubilee 40

Der „Rest“

Mit der KEF und der Wharfedale befinden sich zwei erstklassige Britinnen im engeren Zirkel meiner Lieblingsboxen. Während die KEF iQ 30 für mich besonders durch ihre Luftigkeit besticht, so ist die Wharfedale Diamond 10.1 eine Box, die herrlich trocken und ungekünstelt klingt. Auf ihr macht für mich besonders einfach gestrickter, geradliniger Rock wie z.B. von Audioslave, sehr viel Spaß. Dazu kommt, dass die Wharfedale neu schon mal für 250 EUR das Paar zu haben ist. Sie ist damit neben der Klipsch, die für einen ähnlichen Preis zu haben ist, der Preistipp in diesem Testfeld. Natürlich auch, da weder die Wharfedale noch die Klipsch top aktuelle Modelle sind. Bei beiden gibt es schon Nachfolger, aber diese sind nicht viel leistungsfähiger und deshalb lohnt sich der Blick auf die „Alteingesessenen“. Die zwei Britinnen von KEF und Wharfedale sind die besonderen Hingucker im Testfeld: die KEF hat den Hochtöner und den Tieftöner auf einer Achse hintereinander angeordnet und diesen „Chassis-Sandwich“ so weit oben im Gehäuse angebracht, dass die obere Deckplatte vorne eine runde Ausbuchtung nach oben hat, um die Membranen aufzunehmen. Dieses Design mag man lieben oder hassen. Für mich eine interessante optische Abwechslung zu den klassischen Quadern. Darüber hinaus sind die Seitenwände der KEF nicht planar sondern konvex, also nach außen gewölbt, was das Erscheinungsbild noch abwechslungsreicher macht. Letzteres ist bei der Wharfedale ähnlich und hebt sie optisch ebenfalls aus dem Testfeld heraus. Lediglich die Canton beschreitet noch diesen Weg bei der Gehäusegestaltung. Die Vento von Canton kommt ebenfalls aus Deutschland, wenn auch im Gegensatz zu Nubert nicht hier hergestellt, und beschenkt den Hörer ebenfalls mit einer herrlichen Luftigkeit wie die KEF. Was sie damit gerade im Hochtonbereich den Nubert Lautsprecherboxen ein bisschen voraushaben mag, verschenkt sie gnadenlos im Bass: Gerade, wenn man die Vento direkt mit einer nuJubilee vergleicht, ist man schon verblüfft, wie viel „unten herum“ fehlt. Schade. Die KEF gibt sich fast eine ähnliche Blöße, allerdings zum Glück nicht so früh und nicht so offensichtlich. KEF iQ 30 gegen Canton Vento 810 damit 1:0 für KEF.

KEF iQ 30

Die R-15M aus dem Hause Klipsch ist die einzige Amerikanerin und fällt durch ihren kupferfarbenen Tieftöner auf. Ein toller Anblick zusammen mit dem darüber sichtbaren typischen „Klipsch Horn“. Das gebürstet erscheinende Gehäuse gibt der Klipsch ein sehr wertvolles Äußeres. Chic! Wie alle Klipsch Boxen hat auch die R-15M einen sehr hohen Wirkungsgrad. Aus gleicher Verstärkerleistung holt sie also, einfach gesagt, mehr Lautstärke heraus. Wer also nach dem Umstöpseln auf die Klipsch den Lautstärkeregler am Verstärker nicht nach unten korrigiert, empfindet die Klipsch in den ersten Momenten als subjektiv total überlegenen Lautsprecher, da sie merklich lauter aufspielt und dadurch erstmal als besser wahrgenommen wird. Gleichzeitig macht Klipsch keinen Hehl daraus, dass sie Boxen bauen, die Spaß machen sollen. Neutralität alla Nubert wird deshalb nicht großgeschrieben. Ironischerweise wird bei Klipsch dennoch der Frequenzgang nicht plump im Bass stark überhöht, so wie dies stillschweigend andere Hersteller gerne mal machen und sich dennoch als Anbieter neutraler Boxen präsentieren. Insofern ist Klipsch auch ein ehrlicher Boxenbauer, der eben bewusst nicht exakt nur auf Messwerte schaut und dies zeigt sich auch an den öffentlichen Spezifikationen, die man auf der Webseite herunterladen kann: Die untere Grenzfrequenz wird in der +/- 3 dB Norm angegeben und auch die Nennbelastbarkeit wird klar erwähnt. Jedenfalls rockt die R-15M gewaltig und an dem kleinen SMSL mit bis zu 160 Watt pro Kanal geht die Metal Party schon mal gut ab. Dennoch ist die Klipsch nicht einfach ein Krachmacher. Ganz und gar nicht! Sie macht mit vielen Musikarten sehr viel Spaß.

Nubert, Klipsch und Wharfedale

Die kleine Dänin von Dali ist äußerlich eher unauffällig und besitzt ebenso neutrale Tugenden und Pegelfestigkeit wie die Nubert Modelle. Der Vergleich als „Nubert des Nordens“ drängt sich beim Hören vielfach auf. Sehr vielseitig und im positiven Sinne unaufdringlich, macht sie auch viele Stunden andauernden Musikgenusses zu einer Wohltat, die man nicht enden lassen möchte. Auch die untere Grenzfrequenz von 53 Hz und die äußeren Maße von 17 x 28 x 22 (Breite x Höhe x Tiefe jeweils in cm) machen sie ähnlich zu den Nubert Boxen des Testfeldes. Empfehlenswert!

Fazit

Alle getesteten Lautsprecher sind interessante Kandidaten, für die es sich lohnt, ein näheres Probehören in den eigenen vier Wänden vorzunehmen. Die Klipsch ist im positiven Sinne der Rocker im Testfeld. Nicht wegen ihrer Belastbarkeit – da gibt es leistungsfähigeres im Testfeld – aber wegen des hohen Wirkungsgrades. Die Klipsch macht immer Spaß und ist ein Partytiger. Liebhaber bedingungsloser Neutralität und Linearität greifen aber eher zu der Dali oder einem Nubert Modell. Letztere sind ausnahmslos neutral und wirken trotzdem nie langweilig. Gerade mit der nuLine 24 und der nuJubilee 40 befinden sich darunter zwei Kompaktboxen, die zum Musikhören auch sehr gut ohne Subwoofer schon sehr viel Spaß machen. Die nuBox 311 und deren Nachfolgerin, die 313, sind nur wenig minder basspotent und damit für mich die perfekte audiophile Einstiegsdroge, die lange berauscht und viele Jahre keines Updates bedarf.

Die zwei Britinnen sind echte Hingucker und gefallen durch viel Spielfreude, die durch eine absichtliche – oder zumindest in Kauf genommene Nicht-Linearität erkauft wird. Leider ist die KEF im Basskeller nicht gerade zuhause.

Die Canton gefällt durch auffallende Luftigkeit, die so noch am ehesten von der KEF erreicht wird. Auch ihr machen tiefe Frequenzen leider den Gar aus.

Kommt noch der Preis als Argument hinzu, sind die Nubert ganz vorne mit dabei. Die Wharfedale und die Dali auch noch. Die sehr gute Verarbeitung der Nubert Boxen und die sehr aufwendige und überlastungssichere Frequenzweiche, die alle Modelle haben, machen die Nubert für mich zu meinem Top-Tipp!

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