Anekdote

„Tatort Technik“: Schatz, hast du das WLAN eingepackt?

Urlaubszeit. Ferienwohnung. Ob am Stand von Gran Canaria oder auf dem Ponyhof an der Nordsee. Meist fehlen immer die gleichen Dinge. Natürlich steht in der Beschreibung im Internet, dass alles vorhanden ist, sogar eine Spülmaschine, und WLAN ist natürlich gar kein Problem und eine Selbstverständlichkeit. Sicher! Vorort ist es dann wie immer: Kein Korkenzieher, kein Nudelsieb und natürlich auch kein WLAN. Oder doch? Im Bungalow, 300 m von der Club Rezeption entfernt: Klar, kein Problem! Ohne Repeater weit und breit. Hier ist einfach nicht so viel Elektrosmog und deshalb schafft es das Signal einfach weiter als sonst wo. Mal sehen. Also rein in die gute Stube. Erst mal beim allgemeinen Auspacken helfen. Sonst werde ich gleich gegrillt. „Papa, immer denkst du nur an deine Computer. Hör´ jetzt auf und hilf mit!“. Mache ich. Und auch wirklich gerne! Ich helfe immer. Außer wenn ich gerade auch mal faul im Sonnenstuhl sitze. Aber das ist ja noch einige tausend Augenblicke entfernt. Ups, vielleicht noch ein paar Augenblicke mehr: Meine Augen machen bling, was liegt da für ein Ding. „Peter Fox“- Fantasien huschen durch meinen Kopf. Irgendwas mit Sahneschnitten und auf- und ab hüpfenden Toastern oder so ähnlich. Herrlich. Gut gemacht lieber Schöpfer, falls es dich gibt. Diese perfekten Kurven. Mathematik ist eigentlich nur dafür erfunden worden. Ein Wassertropfen läuft völlig ungehindert und unbeeinflusst da entlang, wo ich ihn eigentlich gar nicht beobachten dürfte. Da findet sich noch keine Hautirritation, da ist keine Unreinheit, die auskuriert werden müsste. Kosmetik: überflüssig. Nein, dieser Tropfen fließt unbeeinflusst langsam aber zielstrebig, der Schwerkraft folgend, Brust abwärts. Alles andere an der ca. 20-jährigen ist diesbezüglich noch unfolgsam. Schwerkraft? Nein Danke! Nichts hängt, nichts wackelt. Da sind vielmehr extrem verwindungssteife Partien, die allenfalls kurz vibrieren um dann sofort wieder gedämpft zu werden, um dieses perfekte Bild einer Schöpfungsteilkomponente im warmen Sonnenlicht erstrahlen zu lassen. „Reif“ ist das Wort des Moments, der ewiglich währen sollte. „Ohne Gewähr“ ist nun auch fast mein Zustand. Dafür sind wir abgerichtet. Das Programm im Gehirn ist einfach und gerade deshalb erfolgreich. Wie immer eigentlich: simplicity rules. Oder KISS wie der Ingenieur sagen würde. Nein, nicht „knutsch“ sondern „Keep It Simple and Stupid“. Erwischt. „Schatz, hier spielt die Musik! Auspacken“. Hallo, ich war doch gerade bei einer rein wissenschaftlichen sachlichen Abhandlung!?!?! Zurück-in-die-Wirklichkeit ist immer herrlich erfrischend. Wie 10 Grad kaltes Wasser. Ich liebe es.

Irgendwann ist das Gröbste geschafft. Richtig: perfekt einräumen muss im Urlaub gar nicht sein. Das finden wir alle. Und das ist okay so. Good enough for now. So kommen wir ins Geschäft. Nun bin ich mal wieder selbst dran mit Vergnügen. Also ich alleine. Zumindest bis das Netzwerk steht. Da wollen ja dann wieder alle mal ran. Plötzlich wird das nämlich gar nicht mehr „so ein Computerzeug“ sein. Plötzlich wird es völlig legitim und einfach ganz normales notwendiges Lebenszubehör sein. Aber so weit sind wir ja eben gerade noch nicht. iPad ausgepackt. Angeschaltet. 3G geht. Immerhin. Die Notlösung scheint schon mal in Sicht zu sein. 3 von 5 Balken, die Signalstärke lässt hoffen. Nun wird es spannend für die eigentliche Hauptlösung: Einstellungen, Netzwerk, WLAN. „Suchen“ …. „Suchen“ …. „Suchen“. Kein WLAN weit und breit. Ich hasse es, wenn ich Recht habe. Also laufe ich mit dem iPad in der Hand, langsam Richtung Club Eingang! Ich bin gerne ein Computerfreak, aber so eine WLAN-Suche ist wirklich erniedrigend. Wie ein moderner Wünschelrutengänger, ich meine natürlich „WLAN-Router-Gänger“, nur etwas deterministischer und wissenschaftlich fundierter, streife ich durchs Unterholz. Na gut, das war ein wenig übertrieben. Dennoch. Kein WLAN hier, kein WLAN dort. Langsam weiter. 7 Bungalows, 4 Sahneschnitten und 6 grimmige andere WLAN-Sucher später, ist es entdeckt. Da ist ein kleiner Funken Signal. Nur ein Fünkchen müsste man eigentlich sagen. Aber es geht voran. Wie man´s nimmt: vielleicht ist es ja gar nicht das richtige Netz. Mit dem Rücken an der Wand der Pool Bar, die Rezeption ist ungefähr 5m entfernt, habe ich ausreichenden Kontakt. „Ein Wodka Lemon bitte!“. Das muss jetzt einfach sein. „Möchten sie auch einen Drink?“. Richtig geraten: Sahneschnitte! Ich bin frech. WLAN ist im Moment egal. Sogar mir. Ein „nein“ der netten Dame, zu welcher Frage von mir auch immer, und einen ordentlichen Schluck aus dem Glas später, gehe ich wieder auf die Suche nach der für mich erlaubten Kontaktaufnahme. Ich stehe also vor der netten Mitarbeiterin der Anlage: „Wo ist das versprochene WLAN?“. „Haben sie nicht das Informationsmaterial bekommen und gelesen? Die ESSID wird nicht gesendet. Das WLAN ist nicht sichtbar. Sie müssen uns einfach vertrauen und die Informationen genau wie beschrieben eingeben. Wenn sie sich damit nicht auskennen, helfen meine Kollegin oder ich ihnen gerne weiter. Das ist nicht schlimm. Viele Menschen kennen sich damit nicht aus. Das macht gar nichts. Geben sie mir einfach ihr iPad, ich mache das mal schnell, damit sie sich nicht noch weiter ärgern müssen. Sie laufen sicher schon lange mit dem Gerät durch die Anlage, so wie sie aussehen.“. Der Rdeschwall ist der Hammer. Schlimmer als ich. Und überhaupt: Wie sehe ich denn bitte aus!?!?!? Hallo, was geht denn hier ab!?!?!? Frechheit!?!?!? Unverschämtheit!?!?!?! Na ja, das mit dem unsichtbaren WLAN hätte mir nicht passieren dürfen. Mir nicht. Mist. Ein echter Faux-Pas. Ich bin wohl doch auch schon im Urlaub. Oder abgelenkt? Wie war das mit der Hilfe von ihr und ihrer Kollegin? Und welches Gerät meint sie eigentlich, mit dem ich durch den Club laufen würde? Ich bin verwirrt. Ein Core in meinem Kopf dreht eine Endlosschleife über DAS Thema. Die anderen Cores sind zumindest nicht in-sync. Egal, dann halt mal so. Kopf aus. „Sie sind sehr freundlich. Gerne können sie es mir machen.“. So oder so etwas Ähnliches, sage ich. Auch nicht hässlich.

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