Anekdote

„Wir sitzen im selben Boot!“

„Wir ziehen doch alle an einem Strang!? Wir sitzen im selben Boot!“ Ja klar. Wir am Ruder und ihr in der Kapitänskajüte. Nein? Aha. Ein bisschen mehr Selbstreflexion wäre hier und da schon mal angebracht. Alle Lippenbekenntnisse der Führungsetage reichen nicht aus, wenn einfache Handlungen jede Glaubwürdigkeit wieder verspielen. Z. B. ist es nicht ratsam, am Ende eines anstrengenden und stressigen Jahres die Boni mit dem Hinweis auf Vereinheitlichung der Arbeitsverträge zu reduzieren. „Vereinheitlichung der Arbeitsverträge“!? Und das in einem Jahr, wo das Management mit der Umsatzsteigerung nicht zufrieden war? Zufall? Sicher! Vielleicht ja sogar wirklich nur ein dummer Zufall. Genau, „dumm“, denn die möglichen Schlussfolgerungen der Mitarbeiter sind verheerend.

Das Wir-Gefühl kann nicht diktiert werden, so wie auch Vertrauen entstehen muss und nicht befohlen werden kann. Es hilft leider nicht, wenn alle CC dieser Welt (CEO, COO, CTO, CCO und haste nicht gesehen) in einen eigenen separaten Bereich gesetzt werden, mehr oder weniger ausnahmslos ein Einzelzimmer bekommen und dann auch noch „zufälligerweise“ alle mit besten Apple Notebooks ausgestattet werden, während jede Anfrage anderer Mitarbeiter diesbezüglich mit einem 5 Jahren alten echten Schlepp-Top – natürlich nur als temporäre Leihgabe für eine Messe – beantwortet wird. „Sagt einfach was ihr an Hardware braucht und ihr bekommt sie. Es ist genug Geld da.“ Hä? Das hatten wir doch gerade. Wie gesagt, ein Laptop wäre klasse. Oder ein paar schnelle SSD Festplatten, damit die Buildzeiten nach unten gehen; denke ich und sage ich. „Was? Warum eine mit 512 GB? 256 GB reichen doch aus? Die SSDs sind recht teuer weißt du!“

„Aber ich brauche eine mit 512 GB oder mehr, denn sonst passen nicht alle Sourcedateien und Builds auf die SSD und dann ist die Performance wieder Mist. Und außerdem spart ihr als Firma dann doch Geld, weil ich meine Arbeitszeit effizienter nutze. Die SSD dient doch nicht meinem Privatvergnügen …. Und außerdem hieß es doch auch, dass Geld keine Rolex spielt!?“ Schließlich hilft nur noch vorrechnen. Mühselig! Aber hilfreich:

Mitarbeiter Nummer 1: „Jetzt fragen wir schon seit 6 Monaten nach einer SSD und wieder heißt es nur ‚mal schauen’.“

Verantwortlicher: „Hmmmmm. Die sind so teuer und ob es was bringt weiß auch keiner und …“

Mitarbeiter Nummer 2: „Doch, das bringt nachweislich einen deutlich schnelleren Start beim Hochfahren des Rechners morgens und jeder Build ist ca. 10 Minuten schneller.“

Verantwortlicher: „Hmmmmm. Das ist ja dann doch gar nicht so viel Zeit.“

Mitarbeiter Nummer 1: „Wenn ein Entwickler an einem typischen Arbeitstag einmal pro Stunde das gesamte Projekt neu baut, und das ist wohl eher schon wenig, so sind das mehr als eine Stunde am Tag, die mit SSDs eingespart werden könnten. Natürlich kann der Entwickler in dieser Zeit noch etwas Anderes machen, aber das nur bedingt. Der Rechner soll ja schnell bauen. Dazu kommt dann noch die gesparte Zeit, da der Rechner generell schneller ist. Bei 20 Entwicklern hättet ihr also in den vergangenen 6 Monaten schon insgesamt …“

Verantwortlicher: „Okay, ihr bekommt die SSDs“.

Wieso machen wir immer diese Arbeit?

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