HiFi

Class D HiFi Verstärker im Vergleich

Einführung

Wer sich für HiFi und insbesondere für Verstärker interessiert, dem dürfte in den letzten Jahren nicht entgangen sein, dass neben dem class A, class B und dem class A/B Konzept, eine neue Variante namens „class D“ geboren wurde. Verstärker dieser Kategorie, bei manchem Hersteller auch als „class T“ bezeichnet, beruhen auf einem völlig anderen Konzept, nämlich dem eines Schaltverstärkers. Dieses zeichnet sich durch eine sehr hohe Effizienz aus, weshalb class D Verstärker meist nur eine geringe Abwärme erzeugen und deshalb für den Einbau in sehr kompakte Gehäuse geeignet sind. Ein Schaltverstärker kennt nur zwei Zustände: ein oder aus und deshalb werden darauf beruhende Verstärker auch gerne als Digitalverstärker bezeichnet. Letztlich wird das analoge Eingangssignal, also das Musiksignal, lediglich z.B. durch Pulsweitenmodulation in eine Reihe von Pulsen verwandelt und so die Verwendung des Schaltverstärkers zur Verstärkung erst ermöglicht. Insofern ist also ein class D Verstärker auch ein Verstärker für analoge Quellen und keinesfalls in irgendeiner Weise bereits ein DAC (digital to analog converter) oder ähnliches.

Auch ich bin auf class D Verstärker aufmerksam geworden und letztlich sind es zwei Eigenschaften, die meine Neugierde geweckt haben:

  1. Class D Verstärker sind sehr effizient und deshalb auch oft sehr klein und auch unter größter Belastung lediglich lauwarm.
  2. In vielen Foren werden sie als sehr audiophile Geräte für ihre klanglichen Fähigkeiten hoch gelobt.

Nicht entscheidend, aber auch durchaus bemerkenswert ist, dass es auch von ansonsten namentlich nicht sehr bekannten Elektronikfirmen, gerade aus China, auf dem Markt einige sehr puristische class D Verstärker gibt, die sehr günstig zu haben sind. Also kurzum: Verstärker mit einem vermeintlich sehr guten Klang für unter 100 oder bei geringerer Ausgangsleistung von unter 30 Watt an 4 Ohm sogar unter 40 EUR leicht bei ebay zu bekommen sind.

Mittlerweile habe oder hatte ich einige Verstärker der class D Kategorie in meinem Besitz und möchte diese Technologie nicht mehr missen. In diesem Bericht möchte ich meine Erfahrungen und Meinungen zu ein paar bekannten Vertretern dieser Gattung teilen.

Meine Sammlung

Meine Liste von Geräten hat sich historisch ergeben: Gerade die class D Schaltverstärker von Tripath (oft als „class T“ bezeichnet) sorgten für die anfängliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und wurden für den warmen, röhrenverstärkerartigen Klang gelobt. Der SA-S3 von SMSL verwendet einen Chip dieses Herstellers, der mittlerweile von Cirrus Logic aufgekaut wurde, und war mein erster Vertreter dieser Gattung, den ich persönlich erleben konnte. Er wird in vielen Berichten und Internetforen erwähnt und oft in einem Atemzug mit class D Verstärkern von Lepai genannt. Letztere, z.B. der Lepai LP-2020A+ mit einem Tripath TA2020 Chip, sind sehr kompakt und sehr günstig zu haben und bringen immer wieder Personen zum Staunen, wenn damit große Standboxen quasi spielend befeuert werden. Gerade eben wenn man sie mit sonst typischen HiFi Geräten der Gewichtsklasse 10 kg aufwärts vergleicht oder sogar direkt nebeneinander aufgebaut sieht. Der SMSL SA-S3, mit dem Tripath TA2021B, ist kaum größer als ein Lepai: die längste Seite ist gerade mal 15 cm lang!

So, nun aber die gesamte Lister der beteiligten Geräte:

  • · SMSL SA-S3
  • · SMSL SA-98E
  • · Topping TP 60
  • · Temple Audio Bantam Gold
  • · NAD D 3020
  • · PS Audio Sprout
  • · TEAC A-H01

In meiner Sammlung ist lediglich der Topping TP 60 auch mit einem Tripath Chip, dem TA2022, ausgestattet. Im Gegensatz zu meinen beiden SMSL Verstärkern, besitzt der Topping nicht nur zwei anstelle von einem analogen Eingang, sondern setzt auch auf ein eigenes dediziertes und integriertes Netzteil. Dieses ist ebenso wie das Lautstärkenpotentiometer und andere elektrische Bauteile, aus sehr hochwertigen Komponenten aufgebaut und das Alleinstellungsmerkmal im direkten Vergleich zu allen SMSL Amps. Das Gehäuse ist dadurch um einiges Größer und die Geometrie an sich etwas ungewöhnlich: Das Gerät ist ca. 33 cm tief und dies ist die längste Seite. Insgesamt könnte man den Topping bzgl. der Bauteile und der Gesamtverarbeitung als die Luxus-Variante meiner Verstärker bezeichnen. Bitte deshalb aber nicht zu dem Schluss kommen, die SMSL oder die anderen Teilnehmer des Testfeldes seien von deutlich minderer Qualität! Bei ihnen ist vielmehr das externe Netzteil, das meist mit geliefert wird, unter Umständen nicht optimal. Dazu später mehr.

SMSL SA-98E auf Topping TP-60

Der SMSL SA-98E hat die gleichen äußeren Maße wie der SA-S3 und sieht auch absolut gleich aus. Doch im Inneren schlummert ein Chip von STMicroelectronics, ein TDA7498E, und dieser bietet nicht nur eine deutlich höhere Ausgangsleistung, sondern auch die Kennzahlen wie Signal/Rausch-Verhältnis sind deutlich besser. Die Firma SMSL ist in China ansässig und bedient sich stets aktueller class D Chips. Da die Firma Tripath von Cirrus Logic aufgekauft wurde und meines Wissens keine class D Chips mehr vertreibt, ist SMSL wohl einfach deshalb auf ein anderes Fabrikat umgestiegen. Dies auch gegebenenfalls beim Kauf beachten: Es gibt eine neuere Variante des SA-S3, die den Namenszusatz „Pro“ trägt und die ebenfalls einen Chip von STMicroelectronics eingebaut hat und nicht mehr den Tripath! Ich habe den SA-98E erworben, da mich erstens interessierte, in wie weit der deutlich aktuellere Chip eine hörbare Klangverbesserung bringt und zweitens, weil ich selbst erleben wollte, wie dieser Winzling tatsächlich meine Party-Boxen der Firma IMG StageLine zu ohrenbetäubenden Lautstärken treiben kann. Letzteres habe ich erlebt und möchte ich immer wieder erleben, denn alle hielten den „kleinen schwarzen Kasten“ für eine Erweiterung meines Mischpultes. Keiner der Gäste kam darauf, dass das der Verstärker ist, der ihnen gerade feinste Techno-Bass-Salven vor die Ohren knallte. Dies war echt spektakulär, da ich zur Sicherheit noch meinen damaligen Party-Verstärker, einen IMG StageLine STA-320 mit 25 kg Gewicht, mit dabei und aufgebaut hatte. Letzterer stand angeschaltet und betriebsbereit sichtbar parat und alle deuteten die leuchtenden Dioden als sicheres Zeichen, dass dieses Teil gerade die Wände wackeln ließ. Fehlanzeige! Während des Abbaus dieses Backups, lief die Musik am SMSL weiter mit Partylautstärke und als ich mich dann an dem vermeintlichen Verstärker zu schaffen machte, also diesen ausschaltete und Kabel, die zu ihm hin liefen, entfernte, da tanzte kurz mal niemand mehr. „Magie“ dachten wohl alle und bestaunten dann doch kurz mal den Winzling. Nun aber weiter im Text …

Der Bantam Gold von Temple Audio wird in UK hergestellt, ist sehr solide verarbeitet und besitzt einen eher seltenen Chip von Analog Devices. Man findet diesen Verstärker nur sehr selten bei ebay. Er wurde in Foren erwähnt als class D Amp mit echten HiFi Qualitäten bzgl. THD („total harmonic distortion“); insbesondere im Vergleich zu Tripath Chips. Klar, dass ich durch diesen Vergleich neugierig wurde. Der THD Wert ist ein Maß für die Linearität von Audio Komponenten und dies bedeutet letztlich für einen Verstärker, dass das Eingangssignal unverändert, bzw. alle Anteile gleich stark verstärkt, wieder als Ausgangsignal ausgegeben wird. Wenn ein Verstärker oder ein Lautsprecher nicht über den gesamten Frequenzbereich linear arbeite, werden entsprechend manche Frequenzen benachteiligt oder bevorzugt.

Als Verstärker mit class D Chips auf dem Markt auftauchten, waren diese zunächst von bis dato unbekannten Herstellern und nicht von HiFi Größen wie Cambridge Audio, Yamaha, Marantz oder wie sie auch alle heißen. Als dann aber NAD eine Variante mit class D auf den Markt brachte, musste ich diese auf jeden Fall haben, denn gerade diese Firma steht für sehr gut durchdachte Verstärkeraufbauten und Layouts und es war sehr interessant, und tatsächlich sogar schwer, herauszufinden, welchen Chip sie verbauen und was sie sich denn noch alles haben einfallen lassen. Da ich bei mir Musik-Streaming mit einem Sonos ZP-90 betreibe, entschied ich mich für den kleineren der beiden class D Verstärker, den NAD D 3020. Dieser ist alleine wegen seiner Ausstattung eigentlich überhaupt nicht mit den SMSL oder Topping Modellen zu vergleichen: Die NADs besitzen einen integrierten DAC, welcher über eine vorhandene USB Schnittstelle als externe Soundkarte von einem PC asynchron bedient werden kann. Weiterhin auch andere optische und elektrische Digital-Eingänge, Bluetooth AptX und Subwoofer Ausgang, um nur die wichtigsten Feature zu nennen.

Der TEAC und der PS Audio Sprout spielen ausstattungstechnisch in einer ähnlichen Liga wie der NAD. Der TEAC ist am Markt eher unbekannt und wird mittlerweile nicht mehr gebaut. Gerade deswegen bekommt man ihn aber deutlich günstiger als der UVP vermuten lässt und außerdem attestieren ihm Tests durchaus eine gute Leistung. Also musste ich ihn sozusagen der Vollständigkeit halber haben. Der PS Audio Sprout ist im Rahmen eines Kickstarter Programms entstanden und kommt tatsächlich von der vor allem in den USA bekannten Firma PS Audio. Die Ausstattung, das Finish mit der Kombination aus Metall und Holzfurnieren und das Gesamtkonzept inclusive Marketing sprachen mich einfach an. Also investierte ich und bekam eine erste Version dank Kickstarter zu einem recht frühen Zeitpunkt.

Klangunterschiede

Gleich mal vorne weg: Alle class D Verstärker, die ich mir angehört habe, haben einen sehr guten Klang. Sie sind nicht einfach „Hilfs-Verstärker“ für den PC sondern ernst zunehmende HiFi Komponenten, die den Vergleich mit klassischen Analog-Verstärkern nicht scheuen müssen!

Zum Testen spiele ich Musik entweder von meinem Sonos ZP 90 oder mit foobar2000 unter Windows ab. Foobar2000 nutze ich dabei mit der Erweiterung WASAPI. Zum Einsatz kommen Musikdateien im mp3, aac und flac Format. Die mp3 und die aac Dateien sind mit mindestens 256 kBit kodiert, was nach meiner Erfahrung bei Blindtests eine von der CD ununterscheidbare Qualität darstellt. Sowohl der Sonos ZP 90 als auch der PC wurden, wenn möglich, digital an den jeweiligen Verstärker angeschlossen. Beim Sonos über eine elektrische Verbindung mit einem Koaxialkabel, den PC habe ich über die USB Schnittstelle gekoppelt. Die Verstärker ohne integrierten DAC habe ich analog über Cinch-Kabel angeschlossen, den NAD als auch den Sprout darüber hinaus mit Bluetooth ausprobiert. Dabei wird die Musik mit der App „Groove“ auf einem iPad 2 abgespielt.

PS Audio Sprout

Der SMSL SA-S3 war damals Liebe auf den ersten Blick. Vermutlich weil ich den meisten Berichten nicht so recht glauben wollte und als ich dann erlebte wie viel Leistung da heraus kommt, habe ich gleich mal meinen Yamaha R-S 700 zur Seite gestellt. So blieb dieser SMSL eine ganze Zeit mein Liebling. Zusammen mit einer Nubert nuBox 101, einer sehr kleinen Kompaktbox, die im Bassbereich gerade Mal bis ca. 71 Hz tief spielt, macht Musik von Pink Floyd oder E-Gitarren-lastiger Blues von Gary Moore wahnsinnig viel Laune. Eine unschlagbare Kombi, wenn es um kompakte Ausmaße geht, die aber trotzdem auch laut aufspielen kann. Bereits bei diesem Minimal-Paket wird einem klar, woher die wohlmeinenden Stimmen bzgl. class D im Internet kommen.

Der nochmal deutlich leistungsfähigere SMSL SA-98E rockt! Die Reserven sind beachtlich. Siehe auch meine Schilderung über Party-Beschallung weiter oben. Daran ein Paar Nubert nuJubilee 35, die eine Nennbelastbarkeit von 150 Watt haben, und die Wände wackeln. Klanglich kann ich zwischen den beiden SMSL keine Unterschiede feststellen, obwohl hier mit dem Tripath und dem STMicroelectronics zwei konträre Schulen aufeinander treffen. Ein Blick auf die Datenblätter offenbart durchaus eine gewisse Ähnlichkeit in Sachen THD und das erklärt dann auch die vergleichbare Klangcharakteristik. Letztlich sind beide Chips aus Messlabor Sicht nicht überragend; gelinde gesagt. Kein marktüblicher Analog-Verstärker würde mit dieser Nicht-Linearität in Tests einen Blumentopf gewinnen. Experten sehen aber gerade in der Art dieser „Unsauberkeiten“ den Grund, warum class D Verstärker den Ruf haben, ähnlich wie ein Röhrenverstärker zu klingen. Und diesen Klang lieben viele Musikhörer, denn er wirkt irgendwie warm und natürlich im Vergleich zu den sehr analytischen Transistor-Verstärkern, die schon lange die Standard Analog-Verstärker ausmachen. Details zu den Nicht-Linearitäten findet man im Internet.

Der Topping TP 60 reiht sich wie erwartet klanglich bei den beiden SMSL Verstärkern ein. Gut, zweifelsohne. Spektakulär wie die SMSL? Nein.

Der Bantam Gold klingt für mich gut und langweilig. Das passt leider genau zu den nachgesagten Daten: echte HiFi Tugenden wie Linearität. „Leider“ weil ich durchaus ein Purist bin. Ich möchte nicht, dass sich Verstärker oder Boxen in den Klang „einmischen“, aber langweilig soll es natürlich auch nicht klingen. Die Konsequenz ist dann aber eben ernüchternd. Will ich „langweilig“, frage ich mich. Letztlich mag ich den unauffälligen kleinen Briten, aber richtige Freunde werden wir klanglich wohl nie.

Der NAD D 3020 ist mein erstes NAD Gerät überhaupt. Angeschlossen und WOW! Die NAD Philosophie von weniger ist mehr passt mir genau ins Konzept. Der NAD hat geradezu perfekte Werte im Vergleich zu den Tripath Chips. Aber er klingt überhaupt nicht langweilig. Im Gegenteil. Wenn ich versuche zu beschreiben, was mir so gut gefällt, meine ich immer wieder eine sehr hohe Impulstreue zu bemerken. Gerade das Schlagzeug klingt immer so knackig und präzise. Der Sound wummert nicht dumpf und breit sondern klingt wie ein kurzer knallharter Schlag. Genau mein Ding!

Der Sprout klingt nicht schlecht, fällt aber für mich genau in dieselbe Kategorie wie der Bantam Gold. Irgendwie gut, aber langweilig.

NAD D 3020, SONOS ZP 90 und Topping TP-60

Der TEAC ist für mich auf Augenhöhe mit dem NAD: Sehr klare und präzise Bässe. Klasse. Er schafft es genau wie der NAD, dass ich selbst bei Songs, die ich schon sehr oft als Referenzsongs gehört habe, nochmal wie wachgerüttelt werde, weil ich etwas höre, was ich bisher nicht entdeckt hatte. So wie die SMSL das immer noch bei E-Gitarren-Gezwitscher schaffen, so gelingt es dem NAD und dem TEAC auch bei allen möglichen anderen Stücken.

TEAC A-H01 zwischen NAD D 3020 und SONOS ZP-90

Allgemein möchte ich noch hinzufügen, dass ich den NAD, den Sprout und den TEAC auch analog angeschlossen habe, um Unterschiede zu den integrierten DACs zu bestimmen. Mein Fazit: mögen diese integrierten DACs laut Presse gut sein, ich konnte keine Unterschiede hören. Entweder meine Ohren sind zu schlecht oder mein Sonos ZP 90 und mein PC haben selbst DACs, die ebenbürtig sind. Ich weiß es nicht. Vielleicht sind auch meine Lautsprecher zu schlecht, um die Unterschiede herausarbeiten zu können. Außer den bereits erwähnten Nubert nuBox 101 und nuJubilee 35 setze ich auch Nubert nuBox 311, Nubert nuWave 35, Wharfedale Diamond 10.1, KEF iQ 30, Klipsch R-15M und Nubert nuJubilee 40 ein. Ja, alles Kompaktboxen. Ich schwöre auf diese kleinen verwindungssteifen 2-Wege Boxen!

 

Ausstattung und weitere Beobachtungen

Die beiden SMSL, der Topping TP 60 und der Bantam Gold besitzen alle ausschließlich Analog-Eingänge. Der Topping fällt aus der Reihe, da er im Vergleich zu den drei anderen

  1. als Einziger zwei analoge Eingänge hat, umschaltbar durch einen Druckschalter auf der Vorderseite, und
  2. ein integiertes Netzteil besitzt

Das Netzteil ist ebenso wie der Rest der Elektronikbauteile sehr hochwertig und aufwändig und laut einiger Experten bereits für sich genommen den typischen Straßenpreis von 180 EUR wert. Der Bantam Gold ist fast nur direkt in den UK zu bekommen. Der Preis vergleichsweise hoch mit 190 Britischen Pfund.

Diese vier Amps des Testfeldes sind solide verarbeitet. Die Gehäuse sind aus Metall und die Einschaltknöpfe als auch die Lautstärkeregler leichtgängig. Gerade bei den SMSL ist es trotzdem nicht leicht, feinsinnig bei geringen Lautstärken eben jene einzustellen.

Die SMSL werden oft bei ebay angeboten. Dann aber bitte unbedingt den Artikelstandort beachten. Bei Versand aus China wird nämlich der deutsche Zoll noch zuschlagen und entsprechend Gebühren verlangen. Weiterhin achtet der Zoll mittlerweile gerade bei elektronischen Geräten aus Fernost sehr genau, ob auch auf jeder Komponente ein CE Siegel drauf ist. Wenn nicht, geht das Paket leider wieder zurück! Auch die Netzteile, die mitgeliefert werden, sind immer mal wieder ein Problem: Oft zeigen die Angaben für Stromstärke und Spannung, dass das beigelegtes Netzteil gar nicht ausreicht, die theoretische Maximalleistung abzurufen. Also genau lesen! Zum Glück findet man mittlerweile doch einige Anbieter, die erstens aus Deutschland versenden und zweitens ein wirklich leistungsfähiges Netzteil mitliefern.

Der NAD und der Sprout streiten um die beste Ausstattung im Testerfeld: Auf den ersten Blick gewinnt der Sprout, denn er hat als einziger auch noch einen Phono-Eingang für den guten alten Plattenspieler (MM Eingang). Aber es gibt ein ärgerliches Defizit: Ist ein USB Gerät als Quelle angeschlossen, wird dessen Signal von da an bei Wahl der Quelle „Digital“ wiedergegeben. In dieser Eingangswahlstellung werden aber auch Signale sowohl vom optischen als auch vom elektrischen Digitaleingang bedient. Wer „gewinnt“? Laut Anleitung die USB Quelle, falls angeschlossen. Um also z.B. die Musik von meinem Sonos über das Koaxial-Kabel abzuspielen, muss ich die USB Verbindung zum PC unterbrechen, also das Kabel abziehen. Es reicht nicht, die Wiedergabe zu stoppen. Inakzeptabel finde ich. Auch der Lautstärkeregler beim Sprout ist nicht so stufenlos, wie ich das gerade abends zum Leise hören gerne hätte. Bei diesen beiden Features schlägt der NAD gnadenlos zu: „OPT1“, „OPT2“, „COAX“, „USB“, „AUX1“, „AUX2“ und „BT“ schön getrennte mögliche Eingangsquellen und eine sehr komfortable Laustärkeregelung: langsam den Drehknopf drehen bewirkt langsame Lautstärkeänderungen, schnelles Drehen sorgt für rasanten Wechsel. Weiterhin hat der NAD auch noch eine Fernbedienung dabei. Leider ist darauf die Beschriftung praktisch nicht zu lesen, wenn es nur ein klein wenig duster im Zimmer ist. Schade. Darüberhinaus entwickelt NAD die Firmware des D 3020 noch weiter und diese kann kostenlos auf deren Webseite heruntergeladen und sehr einfach über das USB Kabel aufgespielt werden. Last but not least kann auf dem NAD eine als „bass boost“ bezeichnet Klangkorrektur durch einen leider sehr schwer auffindbaren Druckknopf auf der Rückseite aktiviert werden. Für leises Musikhören stellt dies eine loudness-artige Funktionalität da, die Klangpuristen aber sicherlich meiden werden. Damit ist die schwere Erreichbarkeit auch kein Problem.

Beide Amps haben einen dedizierten Kopfhörerverstärker verbaut und beherrschen die Übertragung per Bluetooth und das sogar in der hochauflösenden AptX Variante; entsprechende Unterstützung auf Seiten des Quellgerätes vorausgesetzt. Auch die vorhandenen Subwoofer-Ausgänge machen die beiden Verstärker sehr vielseitig einsetzbar. Dies hat aber auch seinen Preis. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nur mit viel Glück findet man einen gebrauchten D 3020 für unter 400 EUR und der Sprout ist auf dem deutschen Markt sowieso praktisch nicht zu bekommen. Eine Einfuhr aus den USA lohnt sich wegen des Zolls auch nicht. Will man den Sprout trotzdem unbedingt haben, muss man deshalb schon ca. 800 EUR aufwenden. Wer keinen Phono-Vorverstärker braucht, ist deshalb mit dem NAD deutlich besser bedient. Eine überraschende und von mir noch nicht geklärte Eigenart hat der der NAD aber leider: Er wird für einen class D Verstärker, der ja bekanntlich sehr effizient ist, reichlich warm. Laut Nachfrage beim NAD Kundensupport ist dies völlig normal und kein Problem. Laut Beschreibungen des Herstellers des class D Chips, Hypex in den Niederlande, liegt dies an einer Spezialität derer Schaltung, die nämlich durch eine Feedback-Schleife das Ausgangssignal praktisch unabhängig von der Impedanz bzw. dem Impedanzverlauf der angeschlossenen Lautsprecher macht. Ein Feature, das ansonsten so oder so ähnlich lediglich noch der Chip im TEAC besitzt und eine der größten Schwächen der Konkurrenz, Abhängigkeit des Frequenzgangs von den Lautsprechern, behebt. Dies passt auch lückenlos zum Ruf und dem Selbstanspruch von NAD: die Verstärker halten die Leistungsangaben auf dem Datenblatt spielerisch ein und überbieten diese sogar oft und das auch wenn Lautsprecher betrieben werden, deren Wiederstand stark mit der Frequenz schwangt und auch mal bis hinuter zu 2 Ohm reicht. Somit ist der NAD im Testfeld zusammen mit dem TEAC der einzige class D Amp, bei dem die Wahl der Boxen beim Kauf völlig unabhängig erfolgen kann. Die anderen Teilnehmer sollte man, ebenso wie herkömmliche class A/B Verstärker, am besten zusammen mit den gewünschten Boxen Probehören.

Der TEAC liegt für mich, wie erwähnt, klanglich auf dem gleichen Niveau wie der NAD, was aufgrund obiger Schilderung bzgl. Schaltungsdetails auch verständlich ist. Weiterhin hat er als zweiter hier getesteter Verstärker eine Fernbedienung, aber leider keine Unterstützung für Bluetooth. Der Straßenpreis liegt im Allgemeinen deutlich unter dem des NAD. Vermutlich weil er nicht so bekannt ist und mittlerweile nicht mehr hergestellt wird. Gelegentlich bekommt man ihn sogar zusammen mit einem Pärchen Klipsch R-15M für insgesamt 350 EUR. Und damit ist er ein echter Geheimtipp!

Die Gehäuse des NAD und des TEAC sind vorwiegend aus Plastik. Sie wirken und fühlen sich jedoch alles andere als billig an, sondern sehr wertig und ebenso solide wie die mit Metallgehäuse. Das Design des NAD ist völlig ungewöhnlich, aber ich selbst finde ihn mittlerweile in seiner aufrechten Position sehr sehr chic!

 

Technische Daten im Überblick

SMSL SA-S3

  • Tripath (jetzt Cirrus Logic) TA2021B
  • 2 x 25 Watt @ 4 Ohm

Pro: Sehr klein -> „understatement Effekt“,

Kontra: Nur ein Eingang (analog), Beschaffung erfordert Aufwand: Einfuhr und ggf. Zoll-Probleme, daher auf Artikelstandort bei Erwerb über ebay beachten!


SMSL SA-98E

  • STMicroelectronics TDA7498E
  • 2 x 120W @ 4 Ohm (ABER je nach Netzteil i.a. weniger)

Pro: Sehr klein -> „understatement Effekt“, ohne nennenswerte Erwärmung des Gehäuses oder des Netzteils spielt er auch über Stunden Party-Lautstärke.

Kontra: Nur ein Eingang (analog), Beschaffung inclusive „korrektem“ Netzteil erfordert Aufwand, ebenso wie bei SMSL SA-S3 siehe oben.


Topping TP 60

  • Tripath (jetzt Cirrus Logic) TA2022
  • 2 x 80W @ 4 Ohm

Pro: Abgestimmtes, integriertes Netzteil und zwei Eingänge (analog)

Kontra: Deutlich grösser als SMSL, insgesamt ungewöhnliche Geometrie


Temple Audio Bantam Gold

  • Analog Devices ADAU1592
  • 2 x 25 Watt @ 4 Ohm

Pro: Sehr solide Verarbeitung

Kontra: Nur ein Eingang (analog), recht teuer


NAD D 3020

  • 24-Bit/96kHz Cirrus Logic DAC
  • Hypex UcD
  • 2 x 30 Watt @ 8 Ohm

Pro: Async USB, Bluetooth AptX, Subwoofer Ausgang, dedizierter Kopfhörerverstärker, sehr präzise Lautstärkeregelung, interessantes Design

Kontra: Fernbedienung schlecht lesbar, „bass boost“ Knopf auf Rückseite schwer erreichbar


PS Audio Sprout

  • 24­Bit/192kHz Cirrus Logic DAC
  • Elan (vorher Abletec, vorher Anaview)
  • 2 x 50 Watt @ 4 Ohm

Pro: Phono MM Vorverstärker, Async USB, Bluetooth AptX, Subwoofer Ausgang, dedizierter Kopfhörerverstärker

Kontra: USB, optischer und Koaxial-Eingang „teilen“ sich den „digital“ Eingang, Lautstärkeregelung schwer bei geringer Lautstärke, recht teuer


TEAC A-H01

  • 24-Bit/192kHz Burr-Brown DAC
  • Icepower from B&O
  • 2 x 43 Watt @ 4 Ohm

Pro: Async USB, Subwoofer Ausgang, dedizierter Kopfhörerverstärker, sehr präzise Lautstärkeregelung, vergleichsweise günstig zu haben

Kontra:   –

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