Software

Nicht die Programmiersprache ist entscheidend!

Regelmäßige Umfrageergebnisse zeigen welche Programmiersprache gerade am beliebtesten ist, welche an Beliebtheit verliert und welche gewinnt. Die neuesten Sprachfeatures werden gleich mit erörtert und dazu welcher Hersteller bis wann welche der Features bringen wird. Ja, das ist sehr interessant und wichtig; oder vielleicht doch nicht ganz so sehr? Viele Entwickler kennen mehrere Programmiersprachen, bezeichnen sich selbst als Profi aber meist nur für eine oder zwei. Bei diesen beherrschen sie so gut wie alle Sprachfeatures und kennen sich sehr genau mit der gesamten sog. Tool Chain aus, also den Compilern und Hilfsmitteln zum Bauen eines Programms aus dem Sourcecode. Dies insbesondere auch für und auf verschiedenen Betriebssystemen. All dieses Profiwissen ist für ein schnelles Vorankommen und dem Umschiffen von Fallstricken sehr dienlich. Allerdings reicht dies für einen hohen Outcome eben nicht alleine: Viele Sprachfeatures braucht man nicht oft, eine gute Architektur und ein gutes Design der Software ist essentiell um schnell zum gewünschten Ergebnis zu kommen und Zeit bei der Wartung zu sparen und, ganz wichtig: die Größte Zeitersparnis holt man sich doch dadurch, dass man das Rad nicht neu erfindet. Je mehr Sourcecode ich wiederverwenden kann, umso besser. Je mehr Bibliotheken erhältlich sind, die für meinen Anwendungszweck Funktionalität beisteuern, desto weniger muss neu programmiert werden. An genau dieser Stelle, kann man sehr viel Zeit einsparen oder eben auch verlieren, wenn man alles selbst machen muss. Und so ist auch die Wahl der Programmiersprache je nach Problem, das ich lösen möchte, essentiell. Nämlich in Bezug auf die Bibliotheken, die man, wie z.B. bei .NET, vom Hersteller geschenkt bekommt oder die gratis oder für vergleichsweise wenig Geld eingekauft werden können. Wer heute noch z.B. ein komplettes Reporting selbst programmiert, um in seiner Applikation Auswertungen mit Charts, Diagrammen, Übersichten zu generieren und als PDF, Word oder Excel Dokument exportieren zu können, in Hochkant oder Querformat, Din A4 und anderen Papiergrößen, mit frei konfigurierbarem, vom Benutzer einstellbaren Layout, der hat mal direkt mehrere Entwickler für ein paar Jahre verschwendet. Je nach Programmiersprache, geht es natürlich nicht anders; da gibt es eben dafür keine wirklich vielseitigen Bibliotheken zu kaufen. Ein guter Zeitpunkt für eine Firma sich zu fragen, ob es Sinn macht an einer einzigen Sprache festzuhalten. Natürlich ist es von Vorteil für den Wissensaustausch, wenn nur eine Sprache in einer Firma programmiert wird. Allerdings sollte man diesen nicht überbewerten. Ebenso ist es ein kleinerer Aufwand, als man zunächst denken mag, mit verschiedenen Sprachen an einer einzigen Applikation zu arbeiten: Meist gibt es im Sprachstandard enthaltene Features zur Kommunikation mit Programmteilen, die in einer anderen Sprache entwickelt wurden. Auch eine Architektur mit Microservices kann sehr interessant und flexibel sein.
Ganz nebenbei: Die aktuelle Arbeitsmarktsituation macht es noch attraktiver, nicht nur Entwickler für eine einzige Sprache suchen zu müssen!

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