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Team Forming Level 2

Ein neues Team aufzubauen ist nicht leicht. Gerade der Startschuss, das „Team Forming“ ist noch schwieriger, wenn Personen aus bestehenden Teams dafür herausgelöst werden müssen. Ich nenne es daher „Level 2“. Der soziale Stress, den eine „Bewerbung“ auf ein neues Team mit sich bringt, ist unbeschreiblich hoch. Eine Auswahl aus den „Bewerbern“, die nicht von oben kommen soll, ist heikel: Wer hat das letzte Wort? Soll man einfach alle „Bewerber“ in einen Raum bringen und die Tür abschließen, bis aus einer größeren Bewerbermenge, sich von alleine ein neues Team bildet? Loose-loose Situationen, so weit das Auge reicht.

Ganz konkret stand ich jüngst vor dem Problem, aus vier Teams, die für zwei verschiedene Produkte arbeiten, Personen „zu finden“, mit denen sich ein neues Team für ein weiteres Produkt bilden lässt. Es gab insgesamt mehr als 10 interne Bewerber für das neue Scrum Team, das aus 3 Entwicklern plus einem dedizierten Tester bestehen sollte. Natürlich sollten deren bisherige Teams weiter funktional sein. Natürlich sollte das neue Team die notwendigen Skills am besten vom Start weg besitzen. Die folgende Vorgehensweise hat innerhalb von nur 2 Stunden zwei mögliche Teamzusammensetzungen ergeben, aus denen schließlich ein Verantwortlicher eine Variante ausgewählt hat.

Der Product Owner und der Scrum Master standen zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Alle internen Bewerber für die Rollen Entwickler und Tester wurden in einem Raum gebeten. Das neue Team sollte aus drei Entwicklern und einem Tester bestehen. Die Personen bekamen die Aufgabe, anonym auf einen Zettel die Namen der vier Personen für das neue Team zu schreiben, die sie persönlich als ein gut funktionierendes Team ansahen. Ob sie sich dabei selbst mit nennen oder nicht, war freigestellt. Die Zettel wurden eingesammelt und anschließend verließen alle Personen den Raum. Der unabhängige Moderator sichtete alle Zettel und sortierte ungültige und Duplikate aus. Dann wurde alphabetisch jeder Einzelne in den Raum zum Moderator gebeten und bekam alle Zettel präsentiert, auf denen sein/ihr Name erwähnt wurde und nur diese! Die Kandidaten konnten nun kommentarlos von diesen Zetteln alle vernichten, die sie für eine ungeeignete Teamkonstellation hielten. Dies wurde mit jedem Kandidaten einzeln durchgeführt, bis alle dran gewesen waren. Anschließend wurden die verbliebenen Konstellationen gesichtet. Es blieben, wie oben bereits erwähnt, lediglich zwei übrig.

Die Vorgehensweise wurde von allen Teilnehmern als sehr fair empfunden. Erfolgsfaktoren waren aus meiner Sicht die Anonymität beim eigenen „Gesamt-Team-Vorschlag“ und die Anonymität beim Vernichten von Varianten, an denen man als Kandidat beteiligt wäre. Ob, und wenn ja, welche Zettel bereits von Vorgängern eliminiert worden waren, erfuhren die Kandidaten in den Einzelgesprächen nicht. Sie mussten ihre Entscheidung nicht begründen. Manche Kandidaten bekamen natürlich leider gar keine Zettel mehr präsentiert. Dies war aber bei näherem Betrachten auch nicht völlig tragisch: Alle Zettel mit dem eigenen Namen konnten ja auch wegen einem anderen Namen auf dem Zettel bereits eliminiert worden sein. Es musste ja eben gerade nicht wegen einem selbst sein. Jeder hatte die anonyme Möglichkeit auch sich selbst komplett aus der Gleichung zu entfernen. Ein sehr wichtiger anonymer „Opt-Out“ Faktor!

Die Diskussionen, die anstelle dieser Vorgehensweise hätten geführt werden können, hätten in einer Schlammschlacht ohne echte Gewinner und mit vielen Verlierern enden können. Dies haben wir erfolgreich vermieden.

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