Anekdote

„Tatort Technik“: Drahtlos ist nicht gleich drahtlos

„Hallo Wolfgang. Wie geht´s? Ich habe echt keinen Bock mehr. Anja hat sich unbedingt diesen neuen Drucker kaufen müssen und ich bekomme ihn echt nicht ans laufen.“

„Mir geht es gut. Danke. Ich freue mich schon auf das Maiden Konzert in 3 Wochen.“

„Sorry Wolfgang, aber eigentlich rufe ich echt wegen dem Drucker an …“

„Wegen des Druckers.“

„Ja, ja, du weißt schon. Also ich verstehe das echt nicht. Ich bekomme es einfach nicht hin.“

Ja, so bin ich es gewöhnt. Anrufen, Floskeln abschicken, unpräzise Fehlerbeschreibung hinterher und dann soll ich wie aus der Pistole geschossen die Lösung parat haben. Ist klar. Meistens gelingt mir das tatsächlich auch.

„Hast du das Kabel drin?“

Okay, ich bin heute halt mal müde und versuche durch diese Frage erst mal Zeit zu gewinnen.

„Brauche ich doch nicht. Der kann drahtlos.“

„Und im WLAN ist er bereits erfolgreich?“

„Ich denke schon.“

Ich denke nicht. Wenn es einen sicheren Hinweis gibt, dass man das Problem gefunden hat, dann sind es die Sätze „Ich denke schon“ oder „Ich glaube schon“ oder „Müsste eigentlich“. Wenn das kommt, hat der Betreffende schlicht keine Ahnung.

„Und wie hast du den Drucker ins WLAN gebracht? Zu Fuß oder mit dem Auto?“

„Sehr lustig. Danke!“, tönt es beleidigt aus dem Hörer. Ich kann aber auch nix dafür, ehrlich. Es ist manchmal zu verlockend.

„Du hast ein verschlüsseltes WLAN. Das weiß ich nun wirklich ziemlich sicher. Von alleine kann der Drucker da nicht hinein. Du musst irgendwann mal einen Netzwerknamen und ein Passwort eingegeben haben.“

„Habe ich nicht. Da stand nur, man muss die eine Taste drücken und dann geht es von alleine.“

So, so, denke ich mir. Diese eine Taste müsste es an allen Geräten geben. Eine schöne hübsche kleine „do what I mean“ Taste. Das wär´s.

„Was für eine Taste ist das denn. Beschreibe mal genau, wie die heißt oder was sie machen soll.“

„Ich lese mal aus dem Handbuch vor: Drücken sie die Taste um die Bluetooth Sichtbarkeit zu aktivieren.“

Mich haut es echt aus den Schuhen vor Lachen. Der Blauzahn hat wieder zugeschlagen. „Ist der Drucker besonders klein und mobil?“, frage ich.

„Was hat das denn mit dem WLAN zu tun?“

„Dein Drucker kann kein WLAN. Anja hat einen Bluetooth Drucker gekauft.“

Stille. Vermutlich wird gerade jemand geköpft, dessen Name mit A anfängt und mit „ja“ aufhört. „…. du hast Müll gekauft ….. weiß ich doch nicht …. hat Wolfgang gesagt …. frag´ ihn selbst ….“. Von „Müll“ habe ich absolut nichts gesagt. Ich werde einfach immer falsch verstanden. Wie das Wochenende bei denen wohl weitergeht? Soll ich lieber auflegen? Ich warte. „Hallo Wolfgang.“, ertönt nun Anja. „Wieso sagst du, dass ich Müll gekauft habe. Das stimmt doch gar nicht. Die Testseite, die ich gedruckt habe, sieht super aus und außerdem ist der Drucker schön klein und es gab ihn schließlich auch in weiß.“. Ja, ja, die Kaufkriterien. Farben sind auch leichter zu wählen, als sich für eine Verbindungsart entscheiden zu müssen. „Anja, ich habe nie von Müll gesprochen. Ich habe nur gesagt, dass du einen Bluetooth Drucker und keinen WLAN Drucker gekauft hast. Wenn der nahe genug am PC steht und der PC auch Bluetooth kann, gibt es keine Probleme“. Bluetooth ist nämlich für kurze Reichweiten gedacht. Die Bluetooth Geräte verbinden sich direkt miteinander. Ein Router etc., wie für ein WLAN, ist nicht notwendig. Bluetooth wird gerne für drahtlose Mäuse und Tastaturen verwendet. Ebenso häufig findet man Bluetooth im Auto um ein Smartphone an eine Freisprecheinrichtung „anzuschließen“. Sehr beliebt ist Bluetooth auch, Achtung, jetzt kommt´s, um ein Handy drahtlos mit einem Verstärker zu verbinden. Das Audio Signal wird dann in ausreichender Qualität gefunkt. Sehr fein, wenn auch nicht der perfekte Klang. Klar soweit? „Ja, klar. Das ist ja einfach.“ Nun mag sie mich wieder. Ein Glück. Die ist echt nett. Ich will es mir nicht verscherzen. Ein paar erklärende Worte an ihren Freund und der Drucker druckt. Braver Drucker. Brav!

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