Agile Minds

Nichts macht agiler als eine Küchenrenovierung

Die Idee einer neuen Küche mündet ganz schnell in einer Sprengung eines kompletten Raumes. Zumindest fühlt es sich so an, wenn Spüle und Heizkörper ihre Positionen verändern sollen. Kaltwasser, Warmwasser, Wasserabfluss, Heizungsrohre, alles muss erstmal raus und dann neu verlegt werden. Schlitze hier, Schlitze dort. Die Bohrer dröhnen, der Hydraulikmeisel bringt jede Fliese zur Kapitulation. Manchmal leider auch zur totalen bedingungslosen Kapitulation der gesamten Wand, an der die Fliese hing. Was doll’s. Staub fressen muss jeder Mal und der Boden hinter der Wand, der nun Sprünge hat, sollte doch sowieso erneuert werden. Ach so, nicht jetzt sondern irgendwann mal. Ups. Egal. Weiter geht’s.

Ohnmacht. Ohnmacht. Eine Renovierung wird von so vielen Überraschungen und Unwägbarkeiten heimgesucht, da hilft kein detaillierter Plan. Da hilft ein guter „Grobplan“. Ein Refinement würde man in der agilen Welt sagen. Was soll denn insgesamt erreicht werden? Wo sollen die Spüle und die Spülmaschine hin? Wo der Herd? Wo müssen entsprechend welche Anschlüsse liegen? Welche müssen abgeändert werden? In welcher Reihenfolge müssen die verschiedenen Gewerke an die Arbeit gehen? Wo kommt eine Staubschutzwand hin? Wie lange wird das Wasser ungefähr abgestellt sein und wann? Sollen bei dieser Gelegenheit noch andere Wasserleitungen erneuert werden? Ende. Alles Weitere lässt sich kaum planen bzw. wird vermutlich aufgrund von „Ereignissen“ sowieso wieder über den Haufen geworfen. Eine unerwartete Leitung hier, eine überraschend massive Wand dort. Werkzeuge müssen herangeholt werden, die eigentlich nicht eingeplant waren. Da muss sogar mal schnell noch ein Schlosser dazu gerufen werden, um ein Gitter zu entfernen, das eigentlich hätte hängenbleiben sollen. Kurze Absprachen, flexible Reaktionen, das Gesamtwerk im Blick!

Als „Product Owner“ kann man sehr leicht die eigenverantwortlichen Handwerker anleiten, um den Kurs zu halten. Diese brauchen kein Nachmessen des ungeduldigen Hausherrn – eben jenem „Product Owner“ -, sie brauchen Mindest- und Maximal-Maße, damit die Spüle auch da hin kann, wo sie hin soll. Sie brauchen keine Anleitung für das Anbringen einer Übergangsschraube zwischen zwei Materialien, sie brauchen die Information ob diese Stelle zukünftig für Erweiterungen zugänglich sein muss, oder nicht. Gleiches gilt in Richtung der Stakeholder: Ich kann dir, liebe Frau, nicht sagen, ob am Mittwoch gegen 12:00 Uhr die Arbeiten beendet sind oder erst gegen Abend. Was ich dir aber sagen kann ist, dass ab Donnerstag alles erledigt ist, das Dreck aufwirbeln kann. Insofern kann ab Donnerstag geputzt werden. Ob am Freitag bereits jemand kommt, um die Löcher neu zu verputzen, weiß ich nicht. Ich kann dir aber sagen, dass dem Einbau der neuen Küche am nächsten Dienstag nichts im Wege steht. Stand heute. Ich kann dir nicht genau sagen, ob das Kaltwasserrohr links oder rechts vom Warmwasserrohr verläuft. Ich kann dir nur sagen, dass die Spüle genau dort neben die Spülmaschine passen wird. Gerne zeige ich dir heute Abend auch den Baufortschritt vor Ort. Du wirst sehen, dass es genau in die geplante Richtung geht und dass die Arbeiten schon so weit sind, wie sie ungefähr auch sein sollten: Frischwasser geht bereits wieder und der alte Heizkörper ist schon weg.

Bevor ich es vergesse: Die Handlung und die handelnden Personen sind natürlich frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen wäre rein zufällig.

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1 reply »

  1. Warum fällt mit nur der Spruch eines Freundes ein: „Wer lacht hat Reserven“ … ? 😉

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