Agile Minds

Probieren geht über studieren

„Probieren geht über studieren“, das wussten schon unsere Großeltern. Recht kühn, naiv und eigentlich auch unreif, fand ich dieses Sprichwort immer. Es widersprach aber vor allem meiner sicheren Überzeugung, die ich als Teenager hatte, dass man immer einen Plan braucht. Natürlich sogar einen sehr guten Plan und nicht nur irgendeinen.
Woher hatte ich diese Überzeugung? Als Jugendlicher habe ich mir viele Bücher über die Pharaonen und das alte Ägypten reingezogen. Ebenso über die Schifffahrt bzw. vor allem eigentlich über Schiffswracks und wo sie gefunden wurden und wie sie gesucht wurden und was man aus ihnen über den Unglückshergang erfahren konnte. Das war irgendwie einfach spannend und ich kann nicht sagen, woher es genau kam, aber vermutlich einfach von meinen Eltern, die Ägypten bereist hatten und herrlich schaurige Geschichten über Mumien erzählt hatten. Außerdem waren sie gerne mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs und so wusste ich mit 12 schon mehr über den Untergang der Titanic als über wirklich wichtige Dinge des Lebens.
Letztlich brachten mich die beiden Themen, so verschieden sie auch erscheinen mögen, immer insbesondere zum Thema PLANUNG. Die Pyramiden und wie der Bau organisiert gewesen sein musste und wie akribisch und detailliert die Titanic und ihre wasserdichten Kammern erdacht und umgesetzt worden waren. Faszinierend! Oder dass die Grabmäler im Tal des Todes so trickreich versteckt und geschützt worden waren oder das Schlachtschiff Bismarck trotz schwerer Treffer immer noch schwimmfähig war. Überall schien für mich eine gute Planung von super Ingenieuren dahinter zu stecken.
Letztlich ist der Untergang der Titanic und das, in Summe, klägliche Scheitern der wasserdichten Abteilungen, doch eigentlich genau das Argument, dass auch ein noch so guter Plan buchstäblich untergehen kann. Eine geradezu tolle Ironie, die mir früher irgendwie entgangen sein muss. Oder ich bin vielleicht sogar dem größten Denkfehler verfallen gewesen: Der Plan war eben nicht gut genug. Er hätte noch besser sein müssen!
Irgendwie auch sehr passend zu den Debatten in der Gesellschaft, damals in den 80er Jahren, als ich Teenager war, nämlich ob Atomkraft sicher sei. Klar, sehr sicher. Ganz sicher? Never ever! So ist das halt. Es gibt keinen perfekten Plan. Per Definition, fast schon, wenn man die lustige englische Redensart kennt, dass

„No plan survives contact with the enemy“

Und nun? Die agile Herangehensweise und Denke ist diese: Mache dir einen Plan, aber keinen sehr detaillierten, sondern gerade so genau, wie du denkst, dass es grob gehen müsste. Dann fange an, den Plan umzusetzen und bereite dich darauf vor, ihn anpassen oder gar ganz verwerfen zu müssen. Gehe dabei ganz bewusst schnell die risikobehafteten Aufgaben an, um schnell Klarheit zu bekommen, ob der Plan aufgehen könnte oder nicht. „Fail fast!“

Heute war ein toller Urlaubstag und die Idee für diesen Artikel kam mir, als meine Tochter in einer Bucht versuchte, langsam, über teils nasse Felsen, vorsichtig in das eiskalte Wasser eines Sees zu gelangen. Viele andere rutschten ab und lagen viel schneller als ihnen lieb war, im Wasser. Meine Tochter nicht. Sie hatte Flip-Flops an. Man sollte meinen, dass man auf schrägen Felsen leicht aus ihnen herausrutscht und daher auch schnell im Wasser liegt, aber wir dachten uns: Erstens ist es dann auch nicht schlechter als ohne Schuhe, zweitens rutscht man beim Abwärtsgehen nach vorne und damit in die Halterung der Flip-Flops, was also gerade gut ist, und drittens haben die eine gute Sohle, die nicht rutschen sollte. Was soll ich sagen: Probieren geht über studieren!

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